„Die Etrusker – Von Villanova bis Rom“

Eine Ausstellung in der Staatlichen Antikensammlung in München mit hochwertigen Exponaten, verstaubtem Ambiente und nur mit Vorkenntnissen oder Media-Guide wirklich zu genießen.

Detail eines der drei Loeb'schen Dreifüße (vermutlich San Valentino di Marsciano um 540/530 v. Chr.)

Detail eines der drei Loeb’schen Dreifüße (vermutlich San Valentino di Marsciano um 540/530 v. Chr.)

Diese Ausstellung über die Etrusker, eine der wichtigsten Kulturen des Mittelmeerraumes im 1. Jt. v. Chr., stand schon seit letztem Jahr auf meiner Wunschliste und nun habe ich es endlich geschafft, sie mir anzusehen. – Ich gebe ja zu, diese oberitalischen antiken Kulturen bilden nicht gerade einen Schwerpunkt meines fachlichen Interesses und meine Begeisterung für antike Keramik war bisher nahezu nicht existent. – Nun ja, sonst hätte ich ja wohl auch Klassische Archäologie statt Ur- und Frühgeschichte studiert. – Aber da nun einmal die etruskische Kultur einen nicht zu ignorierenden Einfluß auf die Kulturen der Hallstattzeit genommen hat, weckte der Titel der Ausstellung doch mein Interesse.

Ich versprach mir von der Ausstellung, …

einen guten Überblick darüber zu erhalten, wo die Ursprünge dieser Kultur zu suchen sind, wie und unter welchen Einflüssen sie sich entwickelt hat und wodurch ihr Niedergang bewirkt wurde. Und natürlich wollte ich Informationen über das Leben in dieser Gesellschaft: ihre Wirtschaftsweise, Handel und (kultureller) Austausch sowie ihre soziale Organisation. Gerne hätte ich mich auch von einem/r fachkundigen Kollegen/in durch die Ausstellung führen lassen, aber da ich mich recht kurzfristig zu diesem Besuch entschlossen hatte, griff ich auf den Media-Guide zurück, den ich mir auf mein iPad lud, so daß ich schon auf der Hinfahrt im Zug darin schmökern konnte.

Unser Besuch der Ausstellung

Die Staatliche Antikensammlung in München am Königsplatz

Die Staatliche Antikensammlung in München am Königsplatz

Den Weg vom Hauptbahnhof zum Königsplatz legten meine Begleitung und ich zu Fuß zurück, was auch kaum 15 min dauerte. Die Orientierung im Museum war dann ebenfalls einfach, da man nach Betreten des Hauses schon direkt vor der Kasse/Garderobe steht. Schnell waren Eintrittskarten und für meine Begleitung eine Karte für den Media-Guide gekauft. Dann die Taschen und Jacken abgeben, den Media-Guide entgegennehmen und los! Die Ausstellung beginnt links der Kasse, doch ist der Rundgang leider nicht gut ausgeschildert. Erst nach einem Irrlauf und zwei weiteren Räumen wurde uns klar, daß die Räume, in welchen die Texttafeln mit einem grünen Balken versehen waren, zur Sonderausstellung gehörten. Außerdem gab uns der Media-Guide den Weg vor. Ansonsten unterschied sich das Ausstellungs-Design nicht von dem der Dauerausstellung.

Mit Hilfe des Media-Guides „arbeiteten“ wir uns dann durch die Ausstellung und erhielten nach und nach einen Einblick in die Welt der Etrusker, erhielten Hintergrund-Informationen zu den einzelnen Exponaten und über den Media-Guide auch zu den Handwerkstechniken, mit denen diese oder die ausgestellten Repliken, wie z. B. der Prunkwagen von San Mariano, hergestellt wurden.

Die Ausstellung – aus meiner Sicht

Die Vitrinen wirken etwas antikvar

Die schlichten Vitrinen schaffen es leider nicht, den Exponaten einen ihrer Exklusivität würdigen Rahmen zu geben.

Die Ausstellung selbst mutet sehr archaisch an: In den einzelnen Räumen werden die Exponate in schlichten Metallrahmen-Vitrinen mit Glasböden präsentiert. Die Exponate stehen darin – fast schon etwas lieblos angeordnet – nebeneinander, ohne daß kommuniziert wird, was dem Besucher an dieser Stelle vermittelt werden soll. Die Beschriftung in den Vitrinen ist spärlich und nur über große Texttafeln an der Wand erhält der Besucher, allgemein und ohne Bezug zu den einzelnen Ausstellungsstücken, weitere Hintergrundinformationen. Auf Grafiken, Schautafeln oder erläuternde Karten verzichtet die Ausstellung mit zwei Ausnahmen gänzlich. Ebenso vegeblich sucht man, mit Ausnahme des Media-Guides, moderne Medien, wie Bildschirmpräsentationen, Touch-Pad-Animationen oder ähnliches. In dieser Hinsicht, muß ich sagen, war ich von dieser Ausstellung sehr enttäuscht. Was in anderen Museen manchmal fast schon zu viel an modernen Medien eingesetzt wird, hätte dieser Ausstellung wirklich gut getan.

Vergleichbare Goldkugeln stammen aus ...

Vergleichbare Funde stammen auch aus hallstattzeitlichen Fürstinnengräbern, z. B. der Bettelbühl-Nekropole unweit der Heuneburg

Bei aller Kritik an dieser Ausstellung, darf allerdings nicht vergessen werden die hohe Qualität der Exponate zu würdigen. Soweit ich dies als „Nicht-KlArcho“ beurteilen kann, zeigt die Antikensammlung hier eine ganze Reihe hochwertiger Stücke aus ihrem Bestand, von denen einige selbst mich begeistert haben.

 

 

 

Mein Fazit

Rekonstruktion des Prunkwagens von San Mariano

Rekonstruktion des Prunkwagens von San Mariano

Die Ausstellung gibt meines Erachtens einen guten Einblick in die Kultur der Etrusker, die vom 9.-1. Jh. v. Chr. in Oberitalien beheimatet war – allerdings nur, wenn man sich bereits vorher mit diesem Thema beschäftigt hatte oder sich des Media-Guides bedient.

Insgesamt hat die Ausstellung meine Erwartungen nicht erfüllt. Sie ist für meinen Geschmack viel zu sehr auf die Funde fokussiert und wirkt auf mich altmodisch und verstaubt. Moderne Wissens- und Kulturvermittlung im Museum sieht im 21. Jh. anders aus. Darüber konnten mich leider auch die wirklich schönen Exponate nicht hinwegtrösten, die außerdem etwas lieblos präsentiert werden. Eigentlich schade für ein Haus, das eine so bedeutende Sammlung antiker Kulturschätze beherbergt.

Ansonsten habe ich den Aufenthalt in der Antikensammlung als angenehm empfunden. Die Damen und Herren an der Kasse und der Garderobe waren sehr höflich und zuvorkommend. Sie vermittelten eine einladende Atmosphäre. In den Ausstellungsräumen gab es, wenn teilweise auch an sehr zugigen Stellen, ausreichend Sitzgelegenheiten.

Mine Rettung: DER HAMBURGER

Meine Rettung: DER HAMBURGER

Ein Tip zum Schluß:

Da es in der Antikensammlung leider kein Café oder Restaurant gibt, machten wir uns nach unserem Ausstellungsbesuch auf die Suche nach etwas Eßbarem und wurden nicht weit entfernt vom Lenbachhaus, das ebenfalls noch auf meiner Museums-Wunschliste steht, fündig. In der Hamburgerei, einem kleinen Laden in der Briennerstrasse 49, bekamen wir sehr leckere Hamburger und wurden supernett von einem jungen, engagierten Team vor dem Hungertod gerettet. – Museum macht halt hungrig!

 

 

 

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