So geht Museum! – Das Vorarlberg Museum in Bregenz

Eigentlich wollten wir uns nur die Sonderausstellung „bergauf – bergab“ ansehen, aber dann fanden wir uns plötzlich in einem Museum wieder, das uns richtig begeisterte.

(c) vorarlberg Museum Foto: Hanspeter Schiess

(c) vorarlberg Museum
Foto: Hanspeter Schiess

Sonntagnachmittag und dazu ein Wetter, das nicht so richtig wußte, ob es sich zum Besseren oder zum Schlechteren wenden sollte. Zuhause bleiben war auch keine Alternative, das solche Sonntag-Nachmittage bei uns meistens am Schreibtisch enden. Da fiel mir ein, daß im Vorarlberg Museum in Bregenz gerade die Ausstellung „bergauf-bergab durch 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen“ gezeigt wurde. Genau das Richtige für einen Ausflug an den Bodensee. In knapp 2 Stunden waren wir da – und das ganz ohne Stau! Auch die Parkplatzsuche erledigte sich schnell: keine 5 min Fußweg vom Museum entfernt parkten wir im Parkhaus an Hafen – und schwupps, waren wir da! Direkt am Hafen, vom See nur durch Uferpromenade, Bahnlinie und Straße getrennt, ist das 2013 (wieder)eröffnete Museum in einem Bau untergebracht, der von den beiden Architekten Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur entworfen wurde, und der durch seine schlichte Eleganz besticht. Der Eingang befindet sich an der vom See ab-, jedoch der Stadt zugewandten Gebäudeseite.

Der erste Eindruck

Schon beim Betreten des Gebäudes fühlte ich mich wohl empfangen. Das weiträumige Foyer gibt ausreichend Raum zur Orientierung, es ist hell und einladend, und die Dame an der Kasse lächelt uns freundlich an. Hier bekommen wir unsere Tickets und alle Informationen, die wir für unseren Besuch benötigen: Garderobe, Toiletten, Fotografieren, … Dann also erst mal Garderobe ablegen, zur Toilette gehen und dann mit dem Aufzug in den 3. Stock, wo sich die Sonderausstellung befindet.

P1050996… und dann ein „Wow!“, als wir aus dem Aufzug treten: wir stehen in einem breiten Flur, der zu einer Seite zum Innenhof hin geöffnet ist, durch den Licht in das Innere des Gebäudes fällt. Das Gebäude ist im Prinzip ein Atriumhaus, um dessen „Innenhof“ sich die Ausstellungsräume gruppieren.

 

bergauf – bergab

Die Ausstellung, die vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum konzipiert und kuratiert wurde, führt in ihrem Design die schlichte Eleganz der Architektur fort. Die Vitrinen sind schwarz gehalten. Sie bilden einen schönen Kontrast zum hellen Holzfußboden und lassen die kräftigen Farben der Bergaufnahmen, die als riesige Fototafeln an den Wänden angebracht sind, regelrecht leuchten.

Ein Blick in die Ausstellung

Ein Blick in die Ausstellung

In acht Stationen wird der Besucher in die Geschichte des Bergbaus vom Mesolithikum bis in die Moderne eingeführt. Nach einer Einführung in das Thema „Natur- und Kulturraum Alpen“ werden Epoche für Epoche die wichtigsten Rohstoffe und ihre Gewinnung vorgestellt: Silex und Felsgesteine, Kupfer, Salt, Eisen, Gold und Silber, um schließlich die Bedeutung des Bergbaus ab der frühen Neuzeit bis heute und in die Zukunft hinein zu beleuchten.

Dabei ist jede Station klar von der nächsten getrennt und wird durch einen kurzen einleitenden Text und eine große Bergaufnahme „überschrieben“. Möchte man mehr über die Objekte in den Vitrinen erfahren, kann man die kleinen Schildchen direkt bei den Exponaten lesen. Fundort und Datierung sucht man hier jedoch vergebens. Diese sind in einem Verzeichnis vermerkt, das am Eingang zur Ausstellung für den Besucher in Papierform bereitliegt.

Der Aufbau der Ausstellung ist sehr abwechslungsreich. Es gibt Wand- und Tischvitrinen, die locker im Raum verteilt sind sowie einen höhlenartigen Einbau mit Vitrinen, der dem Besucher das feeling unter Tage zu sein, vermitteln soll. Und auch die Kinder kommen nicht zu kurz: für sie liegen verschiedene Objekte zum Anfassen bereit und sie können sich an verschiedenen Puzzle- und anderen Spielen zum Thema versuchen oder eine Erzsack durch einen engen Stollen schleifen.

Multimediale Elemente werden kaum eingesetzt. In einem kleinen Medienraum (es haben kaum drei Erwachsene darin Platz) werden zwei Filme, einer über Kupfergewinnung und einer über Salz gezeigt und am Ende des Rundgangs werden in einem längeren Film noch einmal die Inhalte der Ausstellung zusammengefaßt.

Glasgefäß vom Dürrnbrg

Glasgefäß vom Dürrnbrg

Insgesamt fand ich die Ausstellung sehr gut: klar gegliedert und logisch aufgebaut, ausreichend aber nicht zu viele Objekte und mit den Filmen didaktisch gut ergänzt. Das einzige was mir ein wenig gefehlt hat, war die eine oder andere Übersichtskarte über die Lage der Fundstätten oder das eine oder andere Schaubild, das den Abbau und die Verarbeitung der Rohstoffe veranschaulicht.

 

Und jetzt noch zu den Römern – oder so

Römer oder so (Ausstellungsansicht) Foto: Harald Lerps, 2013

Römer oder so (Ausstellungsansicht)
Foto: Harald Lerps, 2013

Genau gegenüber der Sonderausstellung – klar das muß sein! – gibt es die Ausstellung „Römer oder so“ über das Gräberfeld von Brigantium, dem römischen Bregenz. O.K., Gräberfelder können extrem langweilig sein (finde ich) – Können! Müssen aber nicht, wie das Vorarlberg Museum zeigt. Mit einem witzigen Zeichentrick-Einleitungsfilm geht es los und dann folgt eine pfiffige, abwechslungsreiche und alles andere als langweilige Ausstellung, die sogar ich mir gerne noch genauer angeschaut hätte. Aber wir mußten uns leider etwas beeilen, denn wir waren abends noch verabredet.

Also ab in Richtung Ausgang …

… und kaum unten an der Kasse angelangt, wieder hoch in den 4. Stock!? Ja, genau, denn die freundliche Dame an der Kasse legte uns, als ich nach einem Übersichtsplan des Hauses fragte, sehr ans Herz, uns wenigsten noch in den Panoramaraum zu gehen und den Blick über den See zu genießen. Dem konnten wir nun wirklich nicht widerstehen – und mit dem Aufzug ist man ja schnell im 4. Stock …

vorarlberg museum. Panorama-Raum gestaltet von Florian Pumhösl Foto: Adolf Bereuter

vorarlberg museum. Panorama-Raum (zur Stadt hin ausgerichtet) gestaltet von Florian Pumhösl
Foto: Adolf Bereuter

und wir haben es nicht bereut!

Der Panoramaraum ist ein großer mit einer Glasfront ausgestatteter Raum in dem sich nichts als eine Sitzbank befindet. Die Wände sind dunkel gehalten und der Boden ist mit einem Teppich ausgelegt, der einem das Gefühl gibt, auf Moos zu laufen – und es ist ruhig! Man geht hinein, die Welt bleibt draußen und der See liegt einem zu Füßen – einfach nur schön!

Und auf der anderen Seite des Gebäude gibt es noch so einen Panorama-Raum – dann mit Berg-Blick.

Ausstellungsansicht vorarlberg museum „ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren“ Foto: Markus Tretter

Ausstellungsansicht vorarlberg museum
„ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren“
Foto: Markus Tretter

Auf Umwegen zurück zum Ausgang …

… weil es auch im 4. Stock noch eine Ausstellung gibt, mußten wir da einfach auch noch einen Blick reinwerfen. „ganznah – landläufige Geschichten vom Berühren“, so der Titel hat mich alleine schon im Durchgehen (wir mußten ja los!) fasziniert. Habe nur hier und da einen Blick werfen können. Was ich aber gesehen habe hat mich neugierig gemacht, hat mich stutzen lassen und hat mich berührt.

Ich komme wieder! – Und ich glaube beim nächsten Besuch kaufe ich mir eine Jahreskarte und nutze die langen Öffnungszeiten im Sommer aus, denn vom 1. Juli bis zum 31. August hat das Museum jeden Tag, auch motags!, von 10-20 Uhr geöffnet!

Kurz nach 18 Uhr haben wir es dann endlich geschafft, uns loszureißen. Aus der gemütlichen Tasse Kaffee danach wurde nichts mehr und wir kamen eine satte Stunde zu spät zu unserer Verabredung. – Aber es hat sich gelohnt!

 

 

 

 

 

 

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