Archiv der Kategorie: Museum

EVAs BEAUTY CASE

Venus von Milo: (Foto: Jastrow (2007), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1999030)

Venus von Milo: (Foto: Jastrow (2007), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1999030)

Ja, Sie sind schon richtig! Das ist ein Kultur-Blog und kein Fashion- Lifestyle- oder Beauty-Blog. Und trotzdem geht es heute in meinem Blog-Beitrag genau darum. Allerdings nicht als Ratgeber für das neueste outfit, sondern als Tipp für einen Ausstellungsbesuch – kurz vor knapp sozusagen.

Ich stelle heute hier die Ausstellung „EVA’s BEAUTY CASE – Schmuck & Styling im Spiegel der Zeiten“ vor, die noch bis zum 22.1.2017 im LVR LandesMuseum in Bonn gezeigt wird, also nicht mehr lange. Ich habe die Ausstellung Ende November besucht und war wirklich sehr angetan. Aber nun der Reihe nach.

Worum geht’s?

Der Titel sagt schon viel, gibt aber nur einen Teil der Wahrheit preis. Denn es geht nicht allein um Aussehen und Inhalt der, um es mal altmodisch auszudrücken, „Kultur-Tasche“ oder des „Necessair“, sondern um nahezu alles rund um das Thema Schönheit und Schönheitsideal, und zwar von der Altsteinzeit bis in die Moderne. Sie führt uns anhand allerlei Utensilien und bildlichen Darstellungen vor Augen, daß das Streben nach Schönheit ein elementarer Teil der menschlichen Kultur ist. Darauf deutet schon der Begriff „Kultur-Tasche“ hin, während „Necessair“ eher die unbestreitbare Notwendigkeit dieses Behältnisses und dessen Inhalt in den Vordergrund stellt. Auch wenn die inneren Werte schon immer, d. h. nachweislich natürlich erst seit der Etablierung der Schrift, sehr gepriesen wurden, so wird doch klar, daß der Mensch mit nicht unerheblichem Aufwand danach strebte und strebt, einem sich über die Zeiten wandelnden Schönheitsideal zu entsprechen. Die in der Ausstellung präsentierten Exponate erzählen nun, welche Werkzeuge, Mittelchen und Tricks dabei zum Einsatz kamen und zeigen uns indirekt, welchem Idealbild man entsprechen wollte.

Unsere Reise durch die Geschichte der Schönheit …

Die Venus von Willendorf aus dem Gravettien (vor ca 25.000-35.000 Jahren)

Die Venus von Willendorf aus dem Gravettien (vor ca 25.000-35.000 Jahren)

… beginnt mit zwei Schönheiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: der Venus von Willendorf, einer ca. 30.000 Jahre alten Frauenfigur aus Niederösterreich und der Venus von Milo, die aus dem 2. Jh. v. Chr. stammt. Sie zeigen eindrücklich, wie unterschiedlich der Begriff „Schönheit“ interpretiert werden kann. Ehrlicherweise muß ich aber wohl anmerken, daß die Venus von Willendorf eher das Ideal einer Frau in ihrer Funktion als Mutter darstellt, deren körperlichen Merkmale ihrer Fruchtbarkeit im Vordergrund stehen.

 

BEAUTYCASES

Mutter-Idol hin, Mutter-Idol her, wir glauben dennoch zu wissen, daß frau sich auch schon vor 30.000 Jahren schmückte. Ihr „beautycase“ könnte aus einem Lederbeutel bestanden haben, das Muscheln, Tierzähne, Fischwirbel und andere Jagdtrophäen enthalten hat, wie man sie „relativ“ häufig im steinzeitlichen Fundmaterial findet. Sind diese dann auch noch durchbohrt, ist dies ein starker Hinweis darauf, daß sie als Schmuckanhänger getragen wurden. Von wem, Mann oder Frau, sie getragen wurden, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

Kaiserin Josephines Toiletten-Kästchen

Kaiserin Josephines Toiletten-Kästchen

Das Aussehen der Schönheits-Köfferchen in den jüngeren Zeiten, sagen wir mal ab den Ägyptern, ist hingegen besser erforscht. Einige besonders prächtige Exemplare aus Ägypten, Griechenland, dem Römischen Reich und dem frühmittelalterlichen Rheinland zeigen neben dem exklusiven Toiletten-Kasten der französischen Kaiserin Josephine (1763-1814) aus dem Jahre 1795, einem luxuriösen Exemplar aus dem Hause Lois Vuitton Weiterlesen

Arae flaviae – das römische Rottweil im Dominikanermuseum Rottweil

p1070236Heute möchte ich das Dominikanermuseum in Rottweil vorstellen. Es ist ein kleines aber wirklich feines Museum, das einige Schätze zu bieten hat. Unter einem Dach beherbergt es insgesamt drei Ausstellungen: Die „sammlung durch – sakrale kunst des mittelalters“ umfaßt etwa 180 Holzbildwerke und Altarblätter des 14. bis frühen 17. Jh., im „kunst raum rottweil – museum der gegenwart“ werden wechselnde Ausstellungen der Gegenwartskunst gezeigt und „römisches rottweil – arae flaviae“ führt den Besucher zu den Anfängen der ältesten urkundlich belegten Stadt Baden-Württembergs. Letztere habe ich mir mal  näher angesehen.

Rottweil, die urkundlich belegt älteste Stadt Baden-Württembergs, geht auf eine römische Gründung zurück. Erste Spuren stammen aus dem 1. Jh. n. Chr., als unter Kaiser Vespasian das Gebiet besetzt und durch insgesamt fünf Kastelle gesichert wurde, die bis 110 n. Chr. zum Teil nacheinander zum Teil aber auch zeitgleich bestanden.

Handel als wichtiger Faktor für die Böüte einer römischen Stadt

Ein erster Blick in die Ausstellung

m Umfeld dieser Kastelle entstand eine Zivilsiedlung, die sich zu einem lokalen Zentrum entwickelte. Das Stadtrecht als „municipium“ erhielt Area Flaviae, so die römische Bezeichnung Rottweils, wohl unter Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.), vermutlich im Zusammenhang mit dem Abzug der römischen Truppen. Der Titel „municipium“ wurde vom Kaiser vergeben und bedeutete, daß die Einwohner (teilweise) das römische Bürgerrecht erhielten, auch wenn sie nicht als römische Bürger geboren worden waren. Manche Bevölkerungsgruppen, z. B. Frauen, konnten von dieser Regelung jedoch ausgeschlossen sein, wodurch sich das „municipium“ von der „colonia“ unterschied. Belegt ist dieser Satus durch eine Doppelurkunde in Form eines Wachstäfelchens aus dem Jahr 186 n. Chr., in welcher arae flaviae als „municipum“ bezeichnet wird.

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In der Urkunde auf dem Wachstäfelchen aus dem Jahr 186 n. Chr. wird arae flaviae als municipium genannt

In der Urkunde auf dem Wachstäfelchen aus dem Jahr 186 n. Chr. wird arae flaviae als municipium genannt

Dieses Wachstäfelchen, in dessen Holz sich der Urkundentext durch die Wachsauflage hindurch eingedrückte hatte, ist denn auch das zentrale Ausstellungsstück dieser Abteilung. Es ist gleich im ersten Raum zu sehen, der den Besucher in das Thema „Stadtleben im Römischen Reich“ einführt.

In der Ausstellung werden unter dem Titel „Ein Tag im römischen Rottweil“, beginnend mit dem morgendlichen Besuch auf dem Forum verschiedene Aspekte des öffentlichen und privaten Lebens bis hin zum abendlichen Festmahl vorgestellt. Im Obergeschoß sind diese mit „Forum“, „Stadtrecht“, „Geld“, „Architektur“ und „Handel“ überschrieben. Im Untergeschoß des in den Hang hinein gebauten Gebäudes fokussiert die Ausstellung dann zum einen die Kastelle und das Leben der Legionäre, zum anderen das eher zivile Leben der nicht unvermögenden Bürger Rottweils.

kostbare Gläser gehörten zur Tischkultur im römischen Reich

kostbare Gläser gehörten zur Tischkultur im römischen Reich

Hier erhält man Auskunft über die Zusammensetzung und Versorgung der Bevölkerung, deren Götter, Tempel und Bestattungsriten sowie über Vergnügen und Zeitvertreib im Theater, in den Thermen und bei Festgelagen, die fast schon zur Tagesordnung gehört haben dürften.Das scheinen jedenfalls die Funde hochwertiger Glas- und Keramikgefäße zu bezeugen. Solche Festgelage dienten allerdings nicht alleine dem Vergnügen, sondern auch der Repräsentation des Hausherrn und dem „networking“. Hierfür standen in den privaten Villen repräsentative, mit Mosaiken und Wandmalereien ausgestattete Räumlichkeiten zur Verfügung. Weiterlesen

Die „Wahren Schätze“ im Alten Schloß in Stuttgart I – Kelten

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ANTIKE

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KUNSTKAMMER

Da ist nun die neue Dauerausstellung im Landesmuseum Württemberg, die „Wahre Schätze“ seit 21. Mai 2016 eröffnet und ich habe es erst jetzt geschafft, sie mir in Ruhe anzusehen. Nun ja, „in Ruhe“ ist etwas übertrieben, denn sie ist so groß, daß man sich eigentlich dafür drei Besuche vornehmen sollte, damit man jeden der drei Teile, die „Antike“, die „Kunstkammer“ und die „Kelten“ ohne Zeitdruck ansehen kann. Ich habe mir nun erst mal einen Überblick verschafft und das, was mir am nächsten liegt, nämlich die „Kelten“ näher angesehen. Die anderen beiden Teile nehme ich bei Gelegenheit dann noch mal genauer unter die Lupe.

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Seite an Seite: der Keltenfürst von Hochdorf und der Krieger von Hirschlanden

Mit den „KELTEN“ sind hier die frühen Kelten, also die der Hallstattzeit gemeint. Es geht um die Zeit vom 8. bis zum 5. Jh. vor Chr., eine Zeit, aus der zahlreiche immens reiche Bestattungen unter großen Grabhügeln bekannt sind – und das nicht nur aus Südwestdeutschland, sondern aus einem Gebiet, das den ganzen Alpenraum umfaßte, sich im Westen bis Frankreich, im Osten bis zum Schwarzen Meer ausdehnte und im Norden bis nach Hessen und Rheinland-Pfalz sowie ins Saarland hinein reichte. In Baden-Württemberg scharen sich diese reichen „Fürstengräber“ um die beiden „Fürstensitze“ auf dem Hohenasperg und der Heuneburg, in welcher man inzwischen glaubt, die von Herodot erwähnte Stadt Pyrene gefunden zu haben. Weiterlesen

„Archäologie Schweiz“ im neu eröffneten Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich

Am 1. August 2016, dem Schweizer Nationalfeiertag, wurde der 111 Mio CHF teure Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich und zugleich auch die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ eröffnet. Da mußte ich natürlich dabei sein! – Und nun bin ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Enttäuschung: Begeisterung für ein gelungenes Bauwerk, das einen phantastischen Raum für großartige Ausstellungen bietet und Enttäuschung darüber, daß die Archäologie darin so wenig Platz zugestanden wurde. Aber nun der Reihe nach …

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Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich aus der Rückansicht

Der Erweiterungsbau

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Der imposante, über zwei Geschosse führende Treppenaufgang

In einem Großprojekt wurde zwischen 2006 und 2016 die Erweiterung des Landesmuseums Zürich geplant und umgesetzt. Entstanden ist dabei ein Betonbau gigantischen Ausmaßes, der sich elegant an die Rückseite des historischen Gebäudes aus dem Jahre 1898 schmiegt. Die Architekten Christ & Gantenbein schufen hier 41.800 m³ umbauten Raum mit 7.400 m² Geschoßfläche verteilt auf 4 Geschosse, die teils durch lange, breite, über mehrere Geschosse führende oder sich schmal windende Treppen miteinander verbunden sind. Das nahezu fensterlose Gebäude läßt einen Blick nach außen nur über wenige, an Bullaugen erinnernde Lichtöffnungen zu.

Der 2016 eröffnete Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus geseheh

Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus gesehen

Trotz seiner Größe wirkte der Bau im Inneren auf mich jedoch nicht erdrückend sondern eher majestätisch. Besonders hat mich hier die Treppe beeindruckt, die hell und breit über zwei Geschosse führt.

Die Ausstellungsräume wirken teilweise hell und weit, teilweise schmal und verwinkelt, dann wieder wie kleine Seitennischen. Allein schon durch diese Architektur ist ein Gang durch das Gebäude recht abwechslungsreich. Zeitweilig hatte ich sogar das Gefühl, mich in diesem Gebäude zu verlieren.

Archäologie der Schweiz – gut versteckt

Dieses Gefühl, endlos durch Räume zu gehen, ehe man dorthin gelangt, wohin man eigentlich möchte, ergriff mich, als ich meinen ersten Rundgang durch das Gebäude beendet hatte und nach einer kurzen Pause direkt in die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ gehen wollte. Doch das war nicht so einfach, wie ich vermutet hatte, da sie nur über die Räume der Sonderausstellung „Europa in der Renaissance“ oder über den Altbau zugänglich ist. Das heißt, man geht entweder über die große Treppe ins 2. Geschoß, dort weiter bis zum Ende des Erweiterungsbaus, wo man über ein kleines Treppenhaus in die Ausstellung im 1. Geschoß gelangt. Alternativ kann man auch durch die „Geschichte der Schweiz“ und die „Möbel und Räume Schweiz“, also durch den gesamten Altbau gehen, um zu „Archäologie Schweiz“ zu gelangen. Ich frage mich, ob man sich im Landesmuseum für diese Ausstellung etwa schämt, daß man sie so gut versteckt … aber warum denn? Weiterlesen

So geht Museum! – Das Vorarlberg Museum in Bregenz

Eigentlich wollten wir uns nur die Sonderausstellung „bergauf – bergab“ ansehen, aber dann fanden wir uns plötzlich in einem Museum wieder, das uns richtig begeisterte.

(c) vorarlberg Museum Foto: Hanspeter Schiess

(c) vorarlberg Museum
Foto: Hanspeter Schiess

Sonntagnachmittag und dazu ein Wetter, das nicht so richtig wußte, ob es sich zum Besseren oder zum Schlechteren wenden sollte. Zuhause bleiben war auch keine Alternative, das solche Sonntag-Nachmittage bei uns meistens am Schreibtisch enden. Da fiel mir ein, daß im Vorarlberg Museum in Bregenz gerade die Ausstellung „bergauf-bergab durch 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen“ gezeigt wurde. Genau das Richtige für einen Ausflug an den Bodensee. Weiterlesen

4.000 Jahre Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg „4.000 Jahre Pfahlbauten“ zu den Siedlungen am Bodensee und in Oberschwaben, von welchen 15 Fundstellen seit 2011 zum UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen“ zählen. Konzipiert und umgesetzt wurde die Ausstellung vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungsbezirk Stuttgart.

Was wird gezeigt?

Maske aus Schussenried-Riedschachen. (Original und Rekonstruktion). Die Maske aus der Jungsteinzeit gehört wahrscheinlich in den Zusammenhang der Ahnenverehrung. © Landesamt für Denkmalpflege

Maske aus Schussenried-Riedschachen. (Original und Rekonstruktion). Die Maske aus der Jungsteinzeit gehört wahrscheinlich in den Zusammenhang der Ahnenverehrung.
© Landesamt für Denkmalpflege

Thema der Ausstellung sind, wie der Titel schon sagt, die Pfahlbauten, also Häuser, welche aus langen, in den weichen Untergrund getriebenen Pfählen errichtet wurden, und die daraus entstandenen Siedlungen. Allerdings muß ich hier gleich Einspruch erheben, denn in Oberschwaben würde ich eher nicht von Pfahlbau- sondern von Feuchtbodensiedlungen sprechen. Das ist der Fachbegriff, den Archäologen für diese Art von Siedlungen verwenden. – Aber mal ehrlich, wer, außer uns Archäologen, würde mit diesem Begriff unmittelbar etwas verbinden – und „4.000 Jahre Feuchtbodensiedlungen“ als Titel einer Ausstellung? Ich weiß nicht, …!

Aber genau das zeigt die Ausstellung: Den aktuellen Forschungsstand zur Feuchtbodenarchäologie in Baden-Württemberg, ergänzt durch Funde aus den benachbarten Regionen, also der Schweiz, Österreich, Bayern, Frankreich und Italien, und einigen sehr schönen Stücken aus Slowenien.  Weiterlesen

Glei bei Blaubeira leit a Kletzle Blei … – Und daneben die ältesten Kunstwerke der Welt, ausgestellt im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren.

Den Blautopf, eine der größten Karstquellen Deutschlands, kennt fast jeder im „Ländle“. War und ist er bis heute ein beliebtes Ziel für Schulausflüge und Klassenfahrten. Das ausgedehnte Höhlensystem, das sich darunter verbirgt, wurde hingegen durch die spektakulären Tauchgänge des Höhlenforschers Jochen Hasenmayer ab den 1980er Jahren weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. Seit 2005 erforscht inzwischen die ARGE Blautopf das noch lange nicht vollständig bekannte Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb.

Archäologie, die andere Art der Höhlenforschung

Der Hohle Fels im Achtal - noch sind die Archäologen in der Winterpause und die Höhle gehört den Fledermäusen.

Der Hohle Fels im Achtal – noch sind die Archäologen in der Winterpause und die Höhle gehört den Fledermäusen.

Die wesentlich leichter, da trockenen Fußes zugänglichen Höhlen und Abris rund um das Städtchen Blaubeuren sind dagegen seit rund einhundert Jahren im Fokus der Archäologen, denn im Bereich der Höhleneingänge und unter den Felsdächern haben schon vor 50.000 Jahren die Jäger und Sammler des Paläolithikums Schutz gesucht und dabei ihre Spuren hinterlassen. Neben Waffen und Werkzeugen aus Stein, Knochen und Geweih hinterließen sie auch kleine Kunstobjekte, Schmuckstücke und Musikinstrumente. Es sind die bisher ältesten ihrer Art – weltweit!

Zu sehen sind sie im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren, das  Weiterlesen

Das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen/CH

Mit dem Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen/CH möchte ich ein weiteres regionales Museum innerhalb der Euregio Bodensee vorstellen, das wie das Franziskanermuseum in Villingen, einem ehemaligen Kloster, dem Benediktinerkloster Allerheiligen, untergebracht ist. Es ist, ein Kulturhistorisches Museum, das die Geschichte des Kantons Schaffhausen von der ersten Besiedlung im Paläolithikum bis in das 21. Jahrhundert beleuchtet. Darüber hinaus zeigt es mit der international bedeutenden „Archäologischen Sammlung Ebnöther“ einen Überblick über die frühen Hochkulturen der Welt sowie, in der Abteilung für Kunst, Bilder, Skulpturen und Grafiken aus der Zeit vom 15. Jh. bis zur Gegenwart. Und, last but not least, kann man sich hier außerdem noch über die Naturgeschichte der Region informieren.

Ein steinzeitlicher Jäger bewacht den Höhleneingang

Ein steinzeitlicher Jäger bewacht den Höhleneingang

Mich hat jedoch – wen wundert’s ? – die Abteilung „Von der Steinzeit bis zu den Römern – Archäologie der Region“ magisch angezogen. Und diesen 2012 wiedereröffneten Teil der Dauerausstellung möchte ich hier vorstellen.

Grundlage dieser Ausstellung bildet die Archäologische Sammlung des Kantons Schaffhausen, die vom Team der Kantonsarchäologie Schaffhausen unter Leitung von lic. phil. Markus Höneisen betreut und ständig erweitert wird.

Sie ist dem Rundgang durch die kulturgeschichtliche Dauerausstellung vorgelagert und beginnt im Treppenhaus, gleich neben dem Eingangs- und Kassenbereich. Fünf „Räume“ reihen sich aneinander und führen den Besucher durch die ersten 16.000 Jahre der Geschichte der Region um Schaffhausen.

Aus dem Licht ins Dunkel … Weiterlesen

Das Museum für Archäologie des Kantons Thurgau/CH in Frauenfeld

Dieses Museum ist wirklich eine kleine Reise wert! Das Museum für Archäologie des Kantons Thurgau präsentiert klar und übersichtlich die schönsten Funde, die der Thurgau zu bieten hat, und bietet dem Besucher in seinen einladend gestalteten Räumen auf ganz unpretentiöse Weise fundierte Informationen rund um die bekanntesten Fundplätze des Kantons und die Methoden, mit welchen die Wissenschaftler zu ihren Erkenntnissen gelangen.

Römische Gefäße aus Glas und Keramik, die im Museum für Archäologie in Frauenfeld/CH zu sehen sind

Römische Gefäße aus Glas und Keramik, die im Museum für Archäologie in Frauenfeld/CH zu sehen sind

Lange schon trug ich mich mit dem Gedanken, das Museum für Archäologie in Frauenfeld zu besuchen. Immer wieder wurde ich durch interessante Sonderausstellungen auf dieses Museum aufmerksam. Da Frauenfeld für mich nun aber nicht gerade um die Ecke liegt und viele dieser Sonderausstellungen in langjähriger Kooperation mit dem Archäologischen Landesmuseum auch in Konstanz gezeigt wurden, hat es doch eine ganze Weile länger gedauert bis ich diesem Museum tatsächlich einen Besuch abstatten sollte.

Erwartet hatte ich ein kleines, vielleicht nicht ganz so üppig ausgestattetes Museum (immerhin hat der Kanton Thurgau gerade einmal eine Fläche von knapp 1.000 km² – Baden-Württemberg hat im Vergleich dazu fast 36.000 km² Fläche), das vornehmlich durch kleine aber feine Sonderausstellungen Aufmerksamkeit hervorruft. Die Dauerausstellung ließ wohl keine großen Sensationen erwarten – so meine, wie sich schnell herausstellen sollte, ziemlich falsche Einschätzung! Tatsächlich werden im Museum für Archäologie des Kantons Thurgau nur wenige Fundplätze präsentiert – sozusagen die Highlights der Thurgauer Kantonsarchäologie – diese jedoch in einer vorbildlichen Art und Weise.

Blick in den Jungsteinzeit-Raum in der 1. Etage: Die hellen Räume wirken freundlich und einladend

Blick in den Jungsteinzeit-Raum in der 1. Etage: Der helle Raum wirkt freundlich und einladend

Weniger ist mehr: Fokusierung auf besondere Fundplätze

Anstatt die Ausstellungsräume mit überfrachteten Vitrinen vollzustellen setzt das Museum auf Übersicht und Klarheit. Die in der Mitte der hell und einladend gehaltenen Räume platzierten Vitrinen sind auf mehreren Ebenen sehr übersichtlich mit genau den Exponaten bestückt, welche die Besonderheit dieser Epoche explizit verdeutlichen.

Es werden alle Epochen, von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter gezeigt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Funden aus den zahlreichen und sehr gut erforschten Pfahlbausiedlungen entlang des Bodensees und des Rheins (UNESCO-Welterbe der Kultur) einerseits und auf den zahlreichen römischen Funden aus den Lagern und Siedlungen entlang des Hochrheins.

Der Goldbecher von Eschenz

Der Goldbecher von Eschenz wird in die Zeit zwischen 2.400 und 1.600 v. Chr. datiert

Eine herausragende Rolle kommt dabei Eschenz zu. Dieser Fundplatz erbrachte, neben Resten von Pfahlbauten und einem römischen Kastell mit Brückenkopf über den Rhein, spektakuläre Funde wie den berühmten bronzezeitlichen Goldbecher oder die einzigartige gallo-römische Holzstatue, die mittels Coputertomografie in augusteische Zeit datiert werden konnte.

 

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Streßfrei ins Museum – Teil 2: In 5 Schritten vom Eingang bis in die Ausstellung

Ein Museum zu besuchen scheint ja keine große Sache zu sein … Ist es auch nicht! Es ist sogar ganz einfach: Man betritt das Museum, löst sein Ticket an der Kasse, gibt Jacke und Tasche an der Garderobe ab und genießt die Ausstellung. – Warum nur sehe ich dann immer wieder Besucher völlig ratlos im Foyer des Museums stehen oder hektisch im selbigen hin und her laufen ohne zu wissen, was sie denn nun zuerst wo tun sollen? Genau das beobachte ich immer wieder, vor allem in sehr großen Museen oder bei großen Sonderausstellungen mit hohem Besucherandrang. Und ich gebe zu, es gab auch schon Situationen im Museum, in denen ich mir ziemlich verloren vorkam. Vor allem in Museen, deren Architektur schon im Eingangsbereich so beeindruckend auf mich wirkte, daß ich „den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah“ und ich mich hilfesuchend nach jemandem umgesehen habe, der/die mich freundlich „an die Hand nimmt“ und mir zeigt, wo‘s lang geht.

Leider stehen jedoch nicht immer nette Damen und Herren in dunklen Kostümen bzw. Anzügen bereit, die nur darauf warten, angesprochen zu werden. Da ist es gut, wenn man einen Plan hat, mit dem man, ohne diese netten Damen und Herren übermäßig zu bemühen, dorthin gelangt, wo man eigentlich hin möchte, nämlich in die Ausstellung.

Meinen persönlichen Plan, den ich im Laufe zahlreicher Museumsbesuche entwickelt habe und der in kleinen wie in großen Museen bisher immer gut funktioniert hat, bringt mich in 5 Schritten souverän von der Eingangstür bis in die Ausstellung – ganz streßfrei:

Schritt 1: Informationsvorsprung aufbauen Weiterlesen