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„Archäologie Schweiz“ im neu eröffneten Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich

Am 1. August 2016, dem Schweizer Nationalfeiertag, wurde der 111 Mio CHF teure Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich und zugleich auch die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ eröffnet. Da mußte ich natürlich dabei sein! – Und nun bin ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Enttäuschung: Begeisterung für ein gelungenes Bauwerk, das einen phantastischen Raum für großartige Ausstellungen bietet und Enttäuschung darüber, daß die Archäologie darin so wenig Platz zugestanden wurde. Aber nun der Reihe nach …

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Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich aus der Rückansicht

Der Erweiterungsbau

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Der imposante, über zwei Geschosse führende Treppenaufgang

In einem Großprojekt wurde zwischen 2006 und 2016 die Erweiterung des Landesmuseums Zürich geplant und umgesetzt. Entstanden ist dabei ein Betonbau gigantischen Ausmaßes, der sich elegant an die Rückseite des historischen Gebäudes aus dem Jahre 1898 schmiegt. Die Architekten Christ & Gantenbein schufen hier 41.800 m³ umbauten Raum mit 7.400 m² Geschoßfläche verteilt auf 4 Geschosse, die teils durch lange, breite, über mehrere Geschosse führende oder sich schmal windende Treppen miteinander verbunden sind. Das nahezu fensterlose Gebäude läßt einen Blick nach außen nur über wenige, an Bullaugen erinnernde Lichtöffnungen zu.

Der 2016 eröffnete Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus geseheh

Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus gesehen

Trotz seiner Größe wirkte der Bau im Inneren auf mich jedoch nicht erdrückend sondern eher majestätisch. Besonders hat mich hier die Treppe beeindruckt, die hell und breit über zwei Geschosse führt.

Die Ausstellungsräume wirken teilweise hell und weit, teilweise schmal und verwinkelt, dann wieder wie kleine Seitennischen. Allein schon durch diese Architektur ist ein Gang durch das Gebäude recht abwechslungsreich. Zeitweilig hatte ich sogar das Gefühl, mich in diesem Gebäude zu verlieren.

Archäologie der Schweiz – gut versteckt

Dieses Gefühl, endlos durch Räume zu gehen, ehe man dorthin gelangt, wohin man eigentlich möchte, ergriff mich, als ich meinen ersten Rundgang durch das Gebäude beendet hatte und nach einer kurzen Pause direkt in die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ gehen wollte. Doch das war nicht so einfach, wie ich vermutet hatte, da sie nur über die Räume der Sonderausstellung „Europa in der Renaissance“ oder über den Altbau zugänglich ist. Das heißt, man geht entweder über die große Treppe ins 2. Geschoß, dort weiter bis zum Ende des Erweiterungsbaus, wo man über ein kleines Treppenhaus in die Ausstellung im 1. Geschoß gelangt. Alternativ kann man auch durch die „Geschichte der Schweiz“ und die „Möbel und Räume Schweiz“, also durch den gesamten Altbau gehen, um zu „Archäologie Schweiz“ zu gelangen. Ich frage mich, ob man sich im Landesmuseum für diese Ausstellung etwa schämt, daß man sie so gut versteckt … aber warum denn? Weiterlesen

Das Museum für Archäologie des Kantons Thurgau/CH in Frauenfeld

Dieses Museum ist wirklich eine kleine Reise wert! Das Museum für Archäologie des Kantons Thurgau präsentiert klar und übersichtlich die schönsten Funde, die der Thurgau zu bieten hat, und bietet dem Besucher in seinen einladend gestalteten Räumen auf ganz unpretentiöse Weise fundierte Informationen rund um die bekanntesten Fundplätze des Kantons und die Methoden, mit welchen die Wissenschaftler zu ihren Erkenntnissen gelangen.

Römische Gefäße aus Glas und Keramik, die im Museum für Archäologie in Frauenfeld/CH zu sehen sind

Römische Gefäße aus Glas und Keramik, die im Museum für Archäologie in Frauenfeld/CH zu sehen sind

Lange schon trug ich mich mit dem Gedanken, das Museum für Archäologie in Frauenfeld zu besuchen. Immer wieder wurde ich durch interessante Sonderausstellungen auf dieses Museum aufmerksam. Da Frauenfeld für mich nun aber nicht gerade um die Ecke liegt und viele dieser Sonderausstellungen in langjähriger Kooperation mit dem Archäologischen Landesmuseum auch in Konstanz gezeigt wurden, hat es doch eine ganze Weile länger gedauert bis ich diesem Museum tatsächlich einen Besuch abstatten sollte.

Erwartet hatte ich ein kleines, vielleicht nicht ganz so üppig ausgestattetes Museum (immerhin hat der Kanton Thurgau gerade einmal eine Fläche von knapp 1.000 km² – Baden-Württemberg hat im Vergleich dazu fast 36.000 km² Fläche), das vornehmlich durch kleine aber feine Sonderausstellungen Aufmerksamkeit hervorruft. Die Dauerausstellung ließ wohl keine großen Sensationen erwarten – so meine, wie sich schnell herausstellen sollte, ziemlich falsche Einschätzung! Tatsächlich werden im Museum für Archäologie des Kantons Thurgau nur wenige Fundplätze präsentiert – sozusagen die Highlights der Thurgauer Kantonsarchäologie – diese jedoch in einer vorbildlichen Art und Weise.

Blick in den Jungsteinzeit-Raum in der 1. Etage: Die hellen Räume wirken freundlich und einladend

Blick in den Jungsteinzeit-Raum in der 1. Etage: Der helle Raum wirkt freundlich und einladend

Weniger ist mehr: Fokusierung auf besondere Fundplätze

Anstatt die Ausstellungsräume mit überfrachteten Vitrinen vollzustellen setzt das Museum auf Übersicht und Klarheit. Die in der Mitte der hell und einladend gehaltenen Räume platzierten Vitrinen sind auf mehreren Ebenen sehr übersichtlich mit genau den Exponaten bestückt, welche die Besonderheit dieser Epoche explizit verdeutlichen.

Es werden alle Epochen, von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter gezeigt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Funden aus den zahlreichen und sehr gut erforschten Pfahlbausiedlungen entlang des Bodensees und des Rheins (UNESCO-Welterbe der Kultur) einerseits und auf den zahlreichen römischen Funden aus den Lagern und Siedlungen entlang des Hochrheins.

Der Goldbecher von Eschenz

Der Goldbecher von Eschenz wird in die Zeit zwischen 2.400 und 1.600 v. Chr. datiert

Eine herausragende Rolle kommt dabei Eschenz zu. Dieser Fundplatz erbrachte, neben Resten von Pfahlbauten und einem römischen Kastell mit Brückenkopf über den Rhein, spektakuläre Funde wie den berühmten bronzezeitlichen Goldbecher oder die einzigartige gallo-römische Holzstatue, die mittels Coputertomografie in augusteische Zeit datiert werden konnte.

 

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