Postkarten-Blog-Projekt

23. Mai 2017 – Die letzte Postkarte ist eingetroffen

Mit etwas Verzögerung hat es Postkarte Nr. 3 nun auch geschafft.

29.4.2017 – Was für eine fantastischer Tag heute! Academia, David, Altrarno, Mercato Centrale und am Abend „la cucina italiana“ und die Stadt genießen: KUNST-KULTUR-GENUSS pur!

Zuerst hatte ich vor, die Academia zu besuchen, beschloß aber – beim Anblick der schon recht langen Warteschlange – diesen herrlichen Vormittag lieber bei einem Bummel durch die Stadt zu verbringen und mein Glück später noch einmal zu versuchen.

Ich ging erst in Richtung Ponte Vecchio aber dann über die Ponte S. Trinità hinüber nach Altrarno, wo es mir gestern so gut gefallen hatte. Ich brauchte ja noch Reisepräsente für meine Lieben zuhause … und wurde in einem kleinen Laden in der Via Romana auch fündig.

„Liebe Freunde! Tag 2 in Florenz – und ein großer Tag! Hatte ein date mit David (den ich leider auf Nachmittag verschieben mußte). Wie erwartet war er nicht besonders gesprächig aber wunderschön anzusehen. Das halbe Stündchen Warten hat sich gelohnt! Ansonsten war es heute ein wunderbar trubeliger Sanstag-in-der-Stadt-Tag: Bummeln, shoppen, zwischendurch einen Café oder eine Kirche … Ciao & Saluti Iris“

An der Piazza della Calza beim Porta Romana gönnte ich mir dann eine kurze Pause bei einem ‚café‘. Inzwischen war es Mittag geworden und ich wollte nun nochmal mein Glück bei der Academia versuchen.

Mein Plan war aufgegangen: Als ich an der Academia ankam, war die Menschen-Schlange erheblich kürzer geworden und nach nur 30 min Wartezeit hatte ich endlich meine „Audienz“ bei David 😉 – und war beeindruckt! Etwas anderes zu behaupten wäre glatt gelogen.

Den Rest des Tages genoß ich noch das bunte Treiben in der Stadt und kaufte einige letzte Reispräsente auf dem Mercato Centrale. Dann war es aber auch schon Zeit, in meine Unterkunft zurückzukehren, um mich etwas auszuruhen und dann für den Abend frisch zu machen.  – Einen Samstagabend in Florenz kann man sich ja schließlich nicht entgehen lassen … !

16. Mai 2017 – Überraschung! Heute kamen gleich zwei Postkarten an

Heute kamen, man sollte es kaum glauben, zwei Postkarten gleichzeitig an. Aber nicht, daß jemand jetzt denkt es wären Karte Nr. 2 und 3 (Nr. 1 und 4 aus Münschen sind ja schon da – hatten ja auch den kürzesten Weg). Das wäre allerdings zu einfach! Denn Karte 4 hat einfach Karte 3 überholt und kam heute zusammen mit Nr. 2. Wie sie das wohl hingekriegt hat?

28.4.2017 – Ja, Ihr erkennt es sicher schon am Postkartenmotiv, wohin es mich gleich nach meiner Ankunft in Florenz gezogen hat. In die Uffizien! Ich wollte die Gunst der frühen Stunde (morgens um 7:00) dazu nutzen, die Wartezeit vor den Heiligen Hallen Florenz‘ zu verkürzen, was auch geklappt hat. Ich reihte mich kurz nach 8 Uhr in die gut überschaubare Warteschlange ein und war schon 30 min später auf der Treppe, die nach oben in die Ausstellungsräume führte.

Nun ja, ich gestehe, ich hatte nur etwa 2 h für den Besuch eingeplant, hätte aber locker 5 h darin verbringen können, wenn mich nicht der Hunger überfallen hätte (Das Frühstück im Nachtzug war doch etwas dürftig) .

„Liebe Freunde, so, jetzt bin ich am iel angekommen und ihr habt sicher erraten, wo ich nun bin. Ja! Florenz! Gleich nach meiner Ankunft um 7:00 habe ich mich auf den Weg durch die aufwachende Stadt zu swn Uffizien gemacht und jetzt nach 3 1/2 std. großartiger Kunst habe ich einen Tller Pasta nötig! Buon appetito Iris – Sorry für die krakelige Schrift, aber der tisch wackelt furchtbar“

Also stillte ich dann nach 3 1/2 h himmlischen Kunstgenußes mein ganz irdisches Verlangen nach Kohlenhydraten und gönnte mir gleich in der Nähe des Palazzo Vecchio einen Teller Pasta. Danach brachte ich mein Gepäck, das ich immer noch mit mir herumschleppte, ins B&B und zog dann noch mal los auf Erkundungstour durch die Stadt.

Plötzlich fand ich mich vor dem Palazzo Pitti wieder. War hier nicht der Giardino Boboli? Ein wunderbarer Platz um sich in den Abend gleiten und ihn dann beim Abendessen und einem Glas Wein auf der Piazza Santo Spirito ausklingen zu lassen.  – Was für eine herrlicher erster Tag in Florenz!

 

30.4.2017 – Santa Croce, die Kirche in der sich das Grabmal Michelangelos und Gelileo Galileis befindet, habe ich heute an meinem letzten Tag in Florenz besucht.

Am Morgen war ich allerdings noch im Museo delle Capelle Medicee obwohl dieses eigentlich nicht auf meiner „to-do-liste“ stand –  die Warteschlange davor war einfach zu verlackend kurz. Danach wollte ich ins Archäologische Museum, hatte aber Pech, denn das Museum hat nur jeden ersten und dritten Sonntag im Monat geöffnet 😦 Also stattete ich der Kirche Santissima Annunziata und ihren Fresken aus dem 15./16. Jh. im davor liegenden Kreuzgang  einen Besuch ab.

„Liebe Freunde! Heute, ein Tag voller Überraschungen! Zuerst die erstaunlich kurze Warteschlange an der Capella Medici, dann das geschlossenen Archäologische Museum und zum Schluß die fabelhafte Santa Croce! Aber nun habe ich genug gesehen! Jetzt fröne ich noch der Café-Kultur und lasse mich durch die Stadt treiben – und dann heißt es auch Arividerci Firenze! Iris“

Dann schlendere ich weiter durch die Gassen jenseits der Piazza Santissima Annunziata, gönne mir zwischendurch einen ‚café‘ in einer kleinen Bar und gelange schließlich zu Santa Croce. Da war es gerade erst Mittag und die Kirche wird sonntags erst um 14 Uhr für Besucher geöffnet. Also setze ich mich auf den Treppenstufen davor in die Sonne und esse die Reste meines Frühstücks, die ich vorsorglich eingepackt hatte. Bevor ich mir allerdings vor dem noch menschenleeren Eingang die Beine in den Bauch stehe, gehe ich noch eine Runde um Santa Croce herum und entdecke dabei eine kleine Oase der Ruhe, mitten in der im Takt der Menschenmassen pulsierenden Stadt. Was für ein Genuß!

Dummerweie hat sich in dieser kurzen Zeit des Genusses eine nicht zu übersehende Wartschlange gebildet. Ich stelle mich brav an und es dauert fast eine Stunde, bis ich endlich den Eingang passiere.  … Nach der Besichtigung von Santa Croce fühle ich mich fast ein wenig erschlagen von der Monumantalität des Bauwerkes und der prachtvollen Aussatttung. Ich glaube, mein Verlangen nach großer Kunst und Architektur ist vorerst gestillt. Während der mir noch verbleibenden Stunden in Florenz gebe mich einfach dem bunten Treiben in den Straßen und Gassen rund um die Piazza della Signoria und den Palazzo Vecchio hin.

In der Via della Scala, unweit der Piazza di Santa Maria Novella, esse ich noch zu Abend bevor ich in den Nachtzug steige, der mich im Schlaf nach München bringen wird. Im Traum bleibe ich noch ein bischen in Florenz.

4. Mai 2017 – Post für Euch!

Heute kam, ich hatte es schon befürchtet, die letzte der Karten, die ich an Euch gesendet habe – aus München … :-/ (Diese Deutsche Post ist aber auch schnell !)

„1.5.17 – Liebe Freunde, einen letzten Gruß von meiner Reise nach Florenz sende ich Euch aus München. Hier habe ich die Umsteigezeit für einen Besuch der gerade laufenden Peter Lindbergh-Ausstellung genutzt. Leider war die Zeit zu kutz. Für einen Café danach war keine Zeit. Saluti Iris“

1.5.2017 – Hier habe ich mir auf dem Rückweg Zeit für die Ausstellung „“PETER LINDBERGH: FROM FASHION TO REALITY“, die vom 13.4.-27.8.2017 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München läuft, eingeplant  – An dieser Stelle ein Dankeschön an Christoph und Daniela Engels von Kunst-Tour für den Tip! – Danach wollte ich mir noch einen kleinen Bummel mit Café-Pause durch die Innenstadt gönnen.

Dann war die Ausstellung aber so faszinierend, daß ich die gesamte Zeit dort verbracte und mich noch ganz schön sputen mußte, um meinen Zug nach Hause nicht zu verpassen, denn dummerweise hatte ich ’nen Sparpreis mit Zugbindung gebucht (#ich-ärgere-mich)!

 

2. Mai 2017 – Die erste Karte ist schon da!

meine erste Station: die bayerische Landeshauptstadt

27.4.2017 – Als ich gestern nach Hause kam, war meine erste Karte an Euch schon da! Kein Wunder, sie hatte auch noch einen kurzen Weg. Ich habe sie Euch aus München gesendet, wo ich am späten Nachmittag eintraf, da ich von dort am Abend mit dem Nachtzug witerfahren wollte.

Allerdings hatte ich echte Sorge, ob das denn auch klappen würde, nachdem die Strecke in Richtung Sanzburg wegen eines umgestürzten Baumes und einer abgerissenen Oberleitung noch bis in den Nachmittag hinein gesperrt war.

“ 27.4.17 – Liebe Blog-Leser! Einen ersten Gruß sende ich Euch aus der schpnen bayer. Landeshauptstadt. Leider empfing mich die Stadt mit Schneeregen und so beschloß ich, der Innenstadt auf der Rückreise einen Besuch abzustatten Nunja, es ist auch nur knapp mehr als eine Stunde Wartezeit bis es weitergeht nach … bella Italia!  Es grüßt Euch, Iris“

Zum Glück war sie abends dann aber wieder freigegeben und so konnte es – mit etwas Verspätung – kurz nach halb acht losgehen.

Anfangs war ich noch alleiene im Abteil, aber ab Sazburg waren wir dann zu dritt. Da war es dann schon nach 22 Uhr und wir legten uns gleich schlafen, denn die Nacht sollte kurz und unruhig werden. – Den Vino frizzante und die Salzbrezelchen, die die ÖBB zusammen zwei Wasserfläschchen und einem Obst-Snack (sowie Puschen, Seife, Handtuch und Ohr-Stöpsel) für mich auf dem Bett bereit gelegt hatte, genoß ich dann am nächsten Tag – allerdings nicht zum Frühstück !!!

 

24. Apris 2017 – Der Plan

Ich liebe handgeschriebene Post und hebe daher Postkarten und Briefe, die ich bekommen habe, selbstvertändlich auf!

Da ich mich über Postkarten (und sonstige handgeschriebene Post überhaupt) immer sehr freue, solche im Zeitalter von sms, email und facebook aber immer seltener in meinem Briefkasten finde, habe ich mich gefragt, wie ich dies schöne alte Tradition wieder aufleben und dabei meine Blog-Leser daran teilhaben lassen könnte. Schließlich kam mir die Idee, die neuen Medien mit der guten „alten“ handgeschriebenen  Post zu verbinden, indem ich die Postkarten von meinen Reisen und Ausflügen für Euch, liebe Blog-Leser, an mich selbst sende, um sie dann hier auf dem Blog  zu veröffentlichen – und zwar erst, nachdem ich sie zuhause aus meinem Briefkasten gefischt habe.

Das heißt, Ihr dürft Euch immer ein Weilchen auf die nächste Postkarte freuen. (Wie lange das „Weilchen“ dauert, hängt natürlich ganz vom Postboten ab.)  Dann, so hoffe ich, fühlt sich das ganz wie früher an, als man längst schon wieder zuahuse war, ehe die Postkarte endlich eintraf, und das führt dann vielleicht auch ein wenig zu einer Entschleunigung, die ich am Reisen so liebe. Denn, so sehr ich es im Alltag schätze, zu meinen Freunden und Kollegen einen kurzen und vor allem schnellen Draht zu haben, so sehr genieße ich es auch, auf Reisen, für eine gewisse Zeit, „unterzutauchen“ und nicht sofort auf Nachrichten und emails reagieren zu müssen. Wenn ich im Urlaub bin, dann bin ich hier und jetzt und nirgendwo anders, auch nicht in Gedanken. Was derweil zuhause los war, reicht mr, noch später zu erfahren.

Trotzdem interressiert mich natürlich auch, was andere auf ihren Reisen erlebt haben und teile gerne meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Freunden, auf meinem Blog oder auf facebook. Daher scheint mir die Verbindung von analogen und digitalen Medien in Form von Postkarte und Blog-Post geradezu die ideale Symbiose zu sein. Mal sehen ob’s funktioniert … ?! Ich bin gespannt!

Am kommenden Donnerstag geht’s dann auch schon los. Ich werde zu meiner ersten Postkarten-Blog-Reise aufbrechen! Wohin genau verrate ich nicht. Nur soviel: Es geht für fünf Tage in den Süden, nach Bella Italia (ich muß endlich mal wieder meine nur noch rudimentär vorhandenen Italienisch-Kenntnisse auffrischen), und natürlich stehen Museen, gutes Essen und gaaaanz viel Kultur auf meinem Programm. […] Ich gestehe, ich bin schon ein bißchen aufgeregt. Ganz alleine und mit dem Zug war ich noch nie in Italien unterwegs. Drückt mir die Daumen, daß alles gut geht und mein rudimentäres Italienisch ausreicht!

 

 

Arabia Felix! – Glückliches Arabien? – Eine kleine Reise in den alten Orient

Die Stadt Shibam im Jemen.  La ville de Shibam en Yémen. © Hartmut Fiebig

Die Stadt Shibam im Jemen.
La ville de Shibam en Yémen. © Hartmut Fiebig

Arabien …, Orient …, kaum lese oder höre ich diese Begriffe, beginnen Bilder vor meinen Augen zu tanzen, Bilder von prunkvollen Palästen und prächtigen Gärten mit Palmen, Teichen und Wasserspielen, sehe ich farbenprächteig Stoffe mit floralen Ornamenten und Frauen in fießenden Gewändern und ein betörender Duft von Zimt, Koriander und Kardamom steigt mir in die Nase. Ja, Arabia Felix, die Römer wußten wohl schon, warum sie dem Land diesen Namen gaben. – Oder etwa doch nicht? Waren auch sie, wie ich selbst einem Idealbild erlegen, das vor allem durch die Erzählung vom sagenhaften Reichtum dieses Landes geformt wurde, so wie auch mein Bild des Orients das der „Erzählungen aus 1001 Nacht“ und den Mythen um die Königin von Saba wiederspiegelt und ich, das gebe ich zu, die schrecklichen Kriegsbilder, die täglich in den Medien zu sehen sind, am liebsten aus meinem Bewußtsein verdrängen würde. Das geht aber nicht und dabei wird mir einmal mehr bewußt, wie wenig wir das wahre Gesicht diees sagenhaften Landes, wo Weihrauch und Myrrhe herstammen, kennen und vor allem, wie wenig wir über seine lange Geschichte wissen. Das wenige aber zeigt uns nun das Antikenmuseum Basel in seiner erst vor wenigen Tagen eröffneten Sonderausstellung „Glückliches Arabien? – Mythos und Realität im Reich der Königin von Saba“ – Ganz klar, daß ich mir die ansehen muß, und zwar sofort!

Die Ausstellung …

ist nicht wirklich groß, aber sie gibt dafür mit wenigen, hochwertigen Exponaten, die aus den renomiertesten Museen Europas (British Museum / London, Louvre / Paris, Museo Nazionale d‘Arte Orientale / Rom, … – um nur einige zu nennen) nach Basel gekommen waren, einen fundierten Überblick über die Geschichte Altsüdarabiens von seiner Entstehung im 18. Jh. v. Chr. bis zu seinem Ende im 7. Jh. n. Chr., immer mit einem näheren Blick auf das Königreich von Saba. Weiterlesen

EVAs BEAUTY CASE

Venus von Milo: (Foto: Jastrow (2007), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1999030)

Venus von Milo: (Foto: Jastrow (2007), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1999030)

Ja, Sie sind schon richtig! Das ist ein Kultur-Blog und kein Fashion- Lifestyle- oder Beauty-Blog. Und trotzdem geht es heute in meinem Blog-Beitrag genau darum. Allerdings nicht als Ratgeber für das neueste outfit, sondern als Tipp für einen Ausstellungsbesuch – kurz vor knapp sozusagen.

Ich stelle heute hier die Ausstellung „EVA’s BEAUTY CASE – Schmuck & Styling im Spiegel der Zeiten“ vor, die noch bis zum 22.1.2017 im LVR LandesMuseum in Bonn gezeigt wird, also nicht mehr lange. Ich habe die Ausstellung Ende November besucht und war wirklich sehr angetan. Aber nun der Reihe nach.

Worum geht’s?

Der Titel sagt schon viel, gibt aber nur einen Teil der Wahrheit preis. Denn es geht nicht allein um Aussehen und Inhalt der, um es mal altmodisch auszudrücken, „Kultur-Tasche“ oder des „Necessair“, sondern um nahezu alles rund um das Thema Schönheit und Schönheitsideal, und zwar von der Altsteinzeit bis in die Moderne. Sie führt uns anhand allerlei Utensilien und bildlichen Darstellungen vor Augen, daß das Streben nach Schönheit ein elementarer Teil der menschlichen Kultur ist. Darauf deutet schon der Begriff „Kultur-Tasche“ hin, während „Necessair“ eher die unbestreitbare Notwendigkeit dieses Behältnisses und dessen Inhalt in den Vordergrund stellt. Auch wenn die inneren Werte schon immer, d. h. nachweislich natürlich erst seit der Etablierung der Schrift, sehr gepriesen wurden, so wird doch klar, daß der Mensch mit nicht unerheblichem Aufwand danach strebte und strebt, einem sich über die Zeiten wandelnden Schönheitsideal zu entsprechen. Die in der Ausstellung präsentierten Exponate erzählen nun, welche Werkzeuge, Mittelchen und Tricks dabei zum Einsatz kamen und zeigen uns indirekt, welchem Idealbild man entsprechen wollte.

Unsere Reise durch die Geschichte der Schönheit …

Die Venus von Willendorf aus dem Gravettien (vor ca 25.000-35.000 Jahren)

Die Venus von Willendorf aus dem Gravettien (vor ca 25.000-35.000 Jahren)

… beginnt mit zwei Schönheiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: der Venus von Willendorf, einer ca. 30.000 Jahre alten Frauenfigur aus Niederösterreich und der Venus von Milo, die aus dem 2. Jh. v. Chr. stammt. Sie zeigen eindrücklich, wie unterschiedlich der Begriff „Schönheit“ interpretiert werden kann. Ehrlicherweise muß ich aber wohl anmerken, daß die Venus von Willendorf eher das Ideal einer Frau in ihrer Funktion als Mutter darstellt, deren körperlichen Merkmale ihrer Fruchtbarkeit im Vordergrund stehen.

 

BEAUTYCASES

Mutter-Idol hin, Mutter-Idol her, wir glauben dennoch zu wissen, daß frau sich auch schon vor 30.000 Jahren schmückte. Ihr „beautycase“ könnte aus einem Lederbeutel bestanden haben, das Muscheln, Tierzähne, Fischwirbel und andere Jagdtrophäen enthalten hat, wie man sie „relativ“ häufig im steinzeitlichen Fundmaterial findet. Sind diese dann auch noch durchbohrt, ist dies ein starker Hinweis darauf, daß sie als Schmuckanhänger getragen wurden. Von wem, Mann oder Frau, sie getragen wurden, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.

Kaiserin Josephines Toiletten-Kästchen

Kaiserin Josephines Toiletten-Kästchen

Das Aussehen der Schönheits-Köfferchen in den jüngeren Zeiten, sagen wir mal ab den Ägyptern, ist hingegen besser erforscht. Einige besonders prächtige Exemplare aus Ägypten, Griechenland, dem Römischen Reich und dem frühmittelalterlichen Rheinland zeigen neben dem exklusiven Toiletten-Kasten der französischen Kaiserin Josephine (1763-1814) aus dem Jahre 1795, einem luxuriösen Exemplar aus dem Hause Lois Vuitton Weiterlesen

Arae flaviae – das römische Rottweil im Dominikanermuseum Rottweil

p1070236Heute möchte ich das Dominikanermuseum in Rottweil vorstellen. Es ist ein kleines aber wirklich feines Museum, das einige Schätze zu bieten hat. Unter einem Dach beherbergt es insgesamt drei Ausstellungen: Die „sammlung durch – sakrale kunst des mittelalters“ umfaßt etwa 180 Holzbildwerke und Altarblätter des 14. bis frühen 17. Jh., im „kunst raum rottweil – museum der gegenwart“ werden wechselnde Ausstellungen der Gegenwartskunst gezeigt und „römisches rottweil – arae flaviae“ führt den Besucher zu den Anfängen der ältesten urkundlich belegten Stadt Baden-Württembergs. Letztere habe ich mir mal  näher angesehen.

Rottweil, die urkundlich belegt älteste Stadt Baden-Württembergs, geht auf eine römische Gründung zurück. Erste Spuren stammen aus dem 1. Jh. n. Chr., als unter Kaiser Vespasian das Gebiet besetzt und durch insgesamt fünf Kastelle gesichert wurde, die bis 110 n. Chr. zum Teil nacheinander zum Teil aber auch zeitgleich bestanden.

Handel als wichtiger Faktor für die Böüte einer römischen Stadt

Ein erster Blick in die Ausstellung

m Umfeld dieser Kastelle entstand eine Zivilsiedlung, die sich zu einem lokalen Zentrum entwickelte. Das Stadtrecht als „municipium“ erhielt Area Flaviae, so die römische Bezeichnung Rottweils, wohl unter Kaiser Trajan (98-117 n. Chr.), vermutlich im Zusammenhang mit dem Abzug der römischen Truppen. Der Titel „municipium“ wurde vom Kaiser vergeben und bedeutete, daß die Einwohner (teilweise) das römische Bürgerrecht erhielten, auch wenn sie nicht als römische Bürger geboren worden waren. Manche Bevölkerungsgruppen, z. B. Frauen, konnten von dieser Regelung jedoch ausgeschlossen sein, wodurch sich das „municipium“ von der „colonia“ unterschied. Belegt ist dieser Satus durch eine Doppelurkunde in Form eines Wachstäfelchens aus dem Jahr 186 n. Chr., in welcher arae flaviae als „municipum“ bezeichnet wird.

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In der Urkunde auf dem Wachstäfelchen aus dem Jahr 186 n. Chr. wird arae flaviae als municipium genannt

In der Urkunde auf dem Wachstäfelchen aus dem Jahr 186 n. Chr. wird arae flaviae als municipium genannt

Dieses Wachstäfelchen, in dessen Holz sich der Urkundentext durch die Wachsauflage hindurch eingedrückte hatte, ist denn auch das zentrale Ausstellungsstück dieser Abteilung. Es ist gleich im ersten Raum zu sehen, der den Besucher in das Thema „Stadtleben im Römischen Reich“ einführt.

In der Ausstellung werden unter dem Titel „Ein Tag im römischen Rottweil“, beginnend mit dem morgendlichen Besuch auf dem Forum verschiedene Aspekte des öffentlichen und privaten Lebens bis hin zum abendlichen Festmahl vorgestellt. Im Obergeschoß sind diese mit „Forum“, „Stadtrecht“, „Geld“, „Architektur“ und „Handel“ überschrieben. Im Untergeschoß des in den Hang hinein gebauten Gebäudes fokussiert die Ausstellung dann zum einen die Kastelle und das Leben der Legionäre, zum anderen das eher zivile Leben der nicht unvermögenden Bürger Rottweils.

kostbare Gläser gehörten zur Tischkultur im römischen Reich

kostbare Gläser gehörten zur Tischkultur im römischen Reich

Hier erhält man Auskunft über die Zusammensetzung und Versorgung der Bevölkerung, deren Götter, Tempel und Bestattungsriten sowie über Vergnügen und Zeitvertreib im Theater, in den Thermen und bei Festgelagen, die fast schon zur Tagesordnung gehört haben dürften.Das scheinen jedenfalls die Funde hochwertiger Glas- und Keramikgefäße zu bezeugen. Solche Festgelage dienten allerdings nicht alleine dem Vergnügen, sondern auch der Repräsentation des Hausherrn und dem „networking“. Hierfür standen in den privaten Villen repräsentative, mit Mosaiken und Wandmalereien ausgestattete Räumlichkeiten zur Verfügung. Weiterlesen

Die „Wahren Schätze“ im Alten Schloß in Stuttgart I – Kelten

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ANTIKE

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KUNSTKAMMER

Da ist nun die neue Dauerausstellung im Landesmuseum Württemberg, die „Wahre Schätze“ seit 21. Mai 2016 eröffnet und ich habe es erst jetzt geschafft, sie mir in Ruhe anzusehen. Nun ja, „in Ruhe“ ist etwas übertrieben, denn sie ist so groß, daß man sich eigentlich dafür drei Besuche vornehmen sollte, damit man jeden der drei Teile, die „Antike“, die „Kunstkammer“ und die „Kelten“ ohne Zeitdruck ansehen kann. Ich habe mir nun erst mal einen Überblick verschafft und das, was mir am nächsten liegt, nämlich die „Kelten“ näher angesehen. Die anderen beiden Teile nehme ich bei Gelegenheit dann noch mal genauer unter die Lupe.

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Seite an Seite: der Keltenfürst von Hochdorf und der Krieger von Hirschlanden

Mit den „KELTEN“ sind hier die frühen Kelten, also die der Hallstattzeit gemeint. Es geht um die Zeit vom 8. bis zum 5. Jh. vor Chr., eine Zeit, aus der zahlreiche immens reiche Bestattungen unter großen Grabhügeln bekannt sind – und das nicht nur aus Südwestdeutschland, sondern aus einem Gebiet, das den ganzen Alpenraum umfaßte, sich im Westen bis Frankreich, im Osten bis zum Schwarzen Meer ausdehnte und im Norden bis nach Hessen und Rheinland-Pfalz sowie ins Saarland hinein reichte. In Baden-Württemberg scharen sich diese reichen „Fürstengräber“ um die beiden „Fürstensitze“ auf dem Hohenasperg und der Heuneburg, in welcher man inzwischen glaubt, die von Herodot erwähnte Stadt Pyrene gefunden zu haben. Weiterlesen

„Archäologie Schweiz“ im neu eröffneten Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich

Am 1. August 2016, dem Schweizer Nationalfeiertag, wurde der 111 Mio CHF teure Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich und zugleich auch die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ eröffnet. Da mußte ich natürlich dabei sein! – Und nun bin ich hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Enttäuschung: Begeisterung für ein gelungenes Bauwerk, das einen phantastischen Raum für großartige Ausstellungen bietet und Enttäuschung darüber, daß die Archäologie darin so wenig Platz zugestanden wurde. Aber nun der Reihe nach …

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Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich aus der Rückansicht

Der Erweiterungsbau

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Der imposante, über zwei Geschosse führende Treppenaufgang

In einem Großprojekt wurde zwischen 2006 und 2016 die Erweiterung des Landesmuseums Zürich geplant und umgesetzt. Entstanden ist dabei ein Betonbau gigantischen Ausmaßes, der sich elegant an die Rückseite des historischen Gebäudes aus dem Jahre 1898 schmiegt. Die Architekten Christ & Gantenbein schufen hier 41.800 m³ umbauten Raum mit 7.400 m² Geschoßfläche verteilt auf 4 Geschosse, die teils durch lange, breite, über mehrere Geschosse führende oder sich schmal windende Treppen miteinander verbunden sind. Das nahezu fensterlose Gebäude läßt einen Blick nach außen nur über wenige, an Bullaugen erinnernde Lichtöffnungen zu.

Der 2016 eröffnete Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus geseheh

Der Erweiterungsbau des Landesmuseums Zürich vom Innenhof aus gesehen

Trotz seiner Größe wirkte der Bau im Inneren auf mich jedoch nicht erdrückend sondern eher majestätisch. Besonders hat mich hier die Treppe beeindruckt, die hell und breit über zwei Geschosse führt.

Die Ausstellungsräume wirken teilweise hell und weit, teilweise schmal und verwinkelt, dann wieder wie kleine Seitennischen. Allein schon durch diese Architektur ist ein Gang durch das Gebäude recht abwechslungsreich. Zeitweilig hatte ich sogar das Gefühl, mich in diesem Gebäude zu verlieren.

Archäologie der Schweiz – gut versteckt

Dieses Gefühl, endlos durch Räume zu gehen, ehe man dorthin gelangt, wohin man eigentlich möchte, ergriff mich, als ich meinen ersten Rundgang durch das Gebäude beendet hatte und nach einer kurzen Pause direkt in die neue Dauerausstellung „Archäologie Schweiz“ gehen wollte. Doch das war nicht so einfach, wie ich vermutet hatte, da sie nur über die Räume der Sonderausstellung „Europa in der Renaissance“ oder über den Altbau zugänglich ist. Das heißt, man geht entweder über die große Treppe ins 2. Geschoß, dort weiter bis zum Ende des Erweiterungsbaus, wo man über ein kleines Treppenhaus in die Ausstellung im 1. Geschoß gelangt. Alternativ kann man auch durch die „Geschichte der Schweiz“ und die „Möbel und Räume Schweiz“, also durch den gesamten Altbau gehen, um zu „Archäologie Schweiz“ zu gelangen. Ich frage mich, ob man sich im Landesmuseum für diese Ausstellung etwa schämt, daß man sie so gut versteckt … aber warum denn? Weiterlesen

So geht Museum! – Das Vorarlberg Museum in Bregenz

Eigentlich wollten wir uns nur die Sonderausstellung „bergauf – bergab“ ansehen, aber dann fanden wir uns plötzlich in einem Museum wieder, das uns richtig begeisterte.

(c) vorarlberg Museum Foto: Hanspeter Schiess

(c) vorarlberg Museum
Foto: Hanspeter Schiess

Sonntagnachmittag und dazu ein Wetter, das nicht so richtig wußte, ob es sich zum Besseren oder zum Schlechteren wenden sollte. Zuhause bleiben war auch keine Alternative, das solche Sonntag-Nachmittage bei uns meistens am Schreibtisch enden. Da fiel mir ein, daß im Vorarlberg Museum in Bregenz gerade die Ausstellung „bergauf-bergab durch 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen“ gezeigt wurde. Genau das Richtige für einen Ausflug an den Bodensee. Weiterlesen